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Diplom-Sozialpädagoge (FH) kann nicht Psychologischer Psychotherapeut werden

Eine Approbation als Psychologischer Psychotherapeut begehrte nunmehr auch ein Diplom-Sozialpädagoge (FH), der bereits seit dem Jahre 1986 über eine Heilpraktikererlaubnis auf dem Gebiet der Psychotherapie verfügte, von der er auch seit 1988 in seiner eigenen Praxis Gebrauch machte.

In beiden Vorinstanzen war der Kläger mit seinem Begehren unterlegen, weil er die Qualifikation eines abgeschlossenen Psychologie-Studiums nicht aufwies. Dieser Auffassung hat sich auch das Bundesverwaltungsgericht angeschlossen (Urteil vom 09.12.2004, Aktenzeichen 3 C 11/04).

Dabei hat der 3. Senat des Bundesverwaltungsgerichts zunächst festgestellt, daß der Wortlaut der Übergangsvorschriften für die Person des Klägers nicht erfüllt war. Auch nach den Übergangsvorschriften sollen Approbationen als Psychologischer Psychotherapeut nur an Diplom-Psychologen erteilt werden. Eine vorherige Mitwirkung bei der Versorgung gesetzlich oder privat krankenversicherter Personen ändert nichts an diesem Erfordernis einer vorherigen wissenschaftlichen Ausbildung auf dem Gebiet der Psychologie.

Über den Wortlaut des Gesetzes hinaus sahen die Richter eine Verwährung der Approbation auch in zweierlei Hinsicht als mit dem Grundgesetz vereinbar an:

1. Zunächst hat das Gericht festgestellt, daß vor dem Hintergrund der Berufsfreiheit in Verbindung mit dem Gebot des Vertrauensschutzes durch die Möglichkeit zur Approbationserteilung an bestimmte Personen die Sphäre des Klägers überhaupt nicht betroffen werde, insoweit er seine jetzige Tätigkeit, für die er weiterhin eine Heilpraktikererlaubnis besitzt, nicht aufgeben müsse.

Der Gedanke des Vertrauensschutzes könne aber nicht soweit gehen, daß eine berufliche Betätigung auch solchen Personen im bisherigen Umfang zu erhalten sei, „denen die Qualifikation fehlt, die im Interesse des vom Gesetzgeber definierten Rechtsgüterschutzes für die Zukunft eingeführt worden ist ...“

2. Dies sah das Bundesverwaltungsgericht auch unter dem Gesichtspunkt des Gleichbehandlungsgebotes als zulässig an. Gerade das Studium der Psychologie vermittle zukünftigen Psychologischen Psychotherapeuten „auf akademischen Niveau eine psychotherapierelevante Vorbildung“, die im Rahmen sonstiger Studien nicht in der Intensität vermittelt würden.

Auch mit dem Gesichtspunkt des Zugangs zur Approbation als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, die auch Nicht-Psychologen offen steht, hat sich das Bundesverwaltungsgericht auseinandergesetzt. Auch hierbei hat der 3. Senat die gesetzgeberischen Erwägungen für einen weiteren Kreis der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten über solche Personen mit einem Studienabschluß in Psychologie hinaus für zulässig erachtet.

Während es nämlich für Psychologische Psychotherapeuten für notwendig erachtet worden ist, daß diese eine durch einen akademischen Abschluß im Bereich der Psychologie nachgewiesene psychotherapierelevante Vorbildung aufweisen, haben Absolventen der Pädagogik und Sozialpädagogik typischerweise ein besonderes Hintergrundwissen über die Entwicklungspsychologie von Kindern und Jugendlichen, welches für eine Approbation als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut für notwendig erachtet worden ist.

Nach all diesen Erwägungen hat sich das Bundesverwaltungsgericht den Vorinstanzen angeschlossen und die Revision des Klägers zurückgewiesen.

01.03.2005


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