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Kosten für Psychotherapie können außergewöhnliche Belastungen im steuerrechtlichen Sinne darstellen

In dem dortigen Rechtsstreit hatte sich der Kläger in die stationäre psychotherapeutische Behandlung begeben, weil er an einer Sozialphobie litt. Der vorherige Versuch einer ambulanten Behandlung, die über zwei Jahre durchgeführt worden war, war fehlgeschlagen.

Da eine weitere ambulante Behandlung durch einen anderen Psychotherapeuten zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung mit erheblichen Wartezeiten von einem Jahr verbunden gewesen wäre und das Vollbild der Erkrankung zu dem damaligen Zeitpunkt ausgebrochen war, entschloß sich der Kläger, sich in einer Privatklinik behandeln zu lassen.

Eine Erstattung dieser Kosten war von der gesetzlichen Krankenversicherung des Klägers abgelehnt worden, weil es sich bei der Klinik um eine Privatklinik handelte, die nicht Vertragspartner der Krankenkasse des Klägers war.

Die Anerkennung der durch den Kläger persönlich bezahlten Behandlungskosten hatte das Finanzamt zunächst abgelehnt, weil es sich nach Auffassung des Finanzamtes bei den verauslagten Beträgen um Aufwendungen für alternative Behandlungsmethoden gehandelt hätte, deren Anerkennung nur dann als agB in Betracht gekommen wäre, wenn ein amtsärztliches Attest über diese Behandlungsform vorgelegen hätte.

Einer solchen Sichtweise ist das Finanzgericht entgegengetreten und hat klargestellt, daß einerseits bei derartigen psychotherapeutischen Behandlungen nicht immer von alternativen Behandlungsmethoden ausgegangen werden könne, was von dem Gericht auch dadurch untermauert worden ist, daß die Klinik, in die sich der Kläger begeben hat, eine überregionale Anerkennung für die Behandlung von Phobien aufwies.

Andererseits konnte auch die Tatsache einer mangelnden Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung hier kein anderes Ergebnis zulassen. Wenn nämlich – wie hier – eine Kostenübernahme nur deswegen unterbleibt, weil entsprechende Verträge zwischen der Klinik und der gesetzlichen Krankenkasse dies nicht zulassen, so läßt sich aus der Ablehnung der Behandlungskosten nicht herauslesen, daß die in der Klinik vorgenommenen Behandlungsformen nicht dem schulmedizinischen Standard entsprechen.

Eine solche Entscheidung, ob die konkrete Behandlung schulmedizinisch oder alternativmedizinisch durchgeführt wird, bleibt jedoch im Einzelfall vorbehalten.

16.03.2005


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